Schloss Nagel

Am 16. April 1625 kaufte Hans Heinrich von Künsberg das freieigene Gut Nagel mit Gebäuden, Kemenaten, Wassergraben, Hölzern, Feldern, Wiesen, Fischweihern, Gülden, Zinsen, Untertanen, Lehnsleuten, Schäfereien, Zehntenjagden, Erbrechten und Gerechtigkeit zu 20.000 Gulden.

Der bisherige Eigentümer war Wolfgang Heinrich von Redwitz auf Tüschnitz, Schmölz und Nagel.

Bild: Schloss Nagel mit der Neuen Kemenate, der Alten Kemenate, Wassergraben mit Zugbrücke
Jahr 1625

Der Ortsteil Nagel und Schloss Nagel liegen an den Hängen des wasserreichen Kümmelberges. Die hohe Feuchtigkeit des Gebietes führte auch zu der Lagebezeichnung des Ortes. In dem Namen „Nagel“ steckt das indogermanische Wort „nag“, welches feucht bedeutet.

Hans Heinrich von Künsberg stand im Dienste des Markgrafen von Bayreuth. Dieser war ein eifriger Vertreter des Protestantismus.

Seit 1631 war er mit dem König Gustav Adolf von Schweden verbündet.

Hans Heinrich von Künsberg war ein reicher Mann und bestrebt während des 30-jährigen Krieges seinen Besitz zu sichern. Durch die kriegerischen Ereignisse war dies auf dem Gebiet des Markgrafen nicht mehr gegeben.

Später erwarb er zusätzlich die Schenke in Nagel als auch in Oberlangenstadt und 1626 das Rittergut Tüschnitz.

Nagel war zu der damaligen Zeit ein Ort bestehend aus einigen armseligen Hütten, welche aus Lehm gefertigt und mit Stroh bedeckt waren.Hans Heinrich von Künsberg war mit dem schwedischen König befreundet, Taufpate des Königssohnes Adolf August von Schweden. Dem schwedischen König lieh Hans Heinrich zur Anwerbung von Söldnern während des 30-jährigen Krieges 10.000 Reichsthaler. Das schwedisches Königshaus hat bis heute diese Schuld nicht beglichen.

Wie klug dies war , zeigte die spätere Belagerung der Plassenburg und der Stadt Kulmbach

im Jahre 1632 durch den militärischen Führer der katholischen Liga, General Wallenstein.

Bei der Verteidigung von Kulmbach und den markgräflichen Festungen (Plassenburg) machte sich der Kommandant Muffel verdient.

Sein Bild hängt im Treppenhaus von Schloss Nagel.

Bild: Festungskommandant Muffel

April 1644: Im Alter von 54 Jahren verstirbt Hans Heinrich von Künsberg. Von seinen 21 Kindern leben bei seinem Tode noch 13 Kinder.Erbe von Schloss Nagel wird Hans-Heinrich jun.von Künsberg (1627 – 1691).

Er ist der Begründer der Linie Nagel-Oberlangenstadt. Hans Heinrich von Künsberg kämpfte sowohl im 30-jahrigen Krieg (1618-1648) als auch in den Türkenkriegen (1664-1683) und in den späteren kriegerischen Auseinandersetzungen der Bayreuther mit Frankreich. Hans Heinrich lebte als erster von Künsberg auch auf Schloss Nagel. Auf seine Anweisungen hin wurde das bis heute im Schloss Nagel bestehende Archiv angelegt.

Bild: Archivschrank III Schloss Nagel Dokumente mit Siegel

Hans-Heinrich jun. von Künsberg erweiterte seinen Besitz 1691 durch den Zukauf der Alten Kemnat von der Familie von Redwitz.

Die Alte Kemnat war ein Lehen des Hauses Brandenburg. Mit dem Lehen war das Patronat (1693) über die Kirchengemeinde von Schmölz verbunden.

Hans Heinrich (Jun.)von Künsberg hatte vier Söhne, die gegen die Türken vor Wien kämpften. Zwei Türken brachten sie als Gefangene mit nach Nagel. Mustafa und Emir arbeiteten auf Nagel als Pferdepfleger und Gärtner.

Bild: Emir………………………………………Mustafa
Gefangene türkische Soldaten aus der Schlacht vor Wien 1685

1698 übernimmt nach dem Tode des Vaters der Sohn Johann(Hans) Christoph von Künsberg als Erbe das Schloss Nagel. Johann(Hans) Christoph diente als Oberstleutnant und als Kammerjunker.

Johann besaß beachtlichen Besitz. Er errichtete in Nagel eine Schlosskapelle, die 150 Personen Platz gab. Die Kapelle erhielt sogar eine kleine Orgel, was zu dieser Zeit beachtlich war. Zu dem Bau einer eigenen Kirche kam es aus folgenden Gründen:

Johann von Künsberg liebte ein Bauernmädchen – die Daßlerin aus Merzbach. Er heiratete sie und anerkannte den gemeinsamen Sohn als seinen legitimen Nachfolger an. Die Künsbergische Familie und Verwandtschaft stand Kopf. Es folgten viele familiäre Prozesse und die Verweigerung des Zuganges zu den Kirchen in Küps, Burgersdorf und Schmölz. In Schmölz wurden sogar das Gestühl der von Künsberg versiegelt! Die von Redwitz nannten Johann von Künsberg einen „Hundsfott“,

Johann hatte wohl die Magd auf den Lehenshof in Bayreuth lieben gelernt.

Bild: Geheimnisvoller Fluchttunnel (?) am Schloss Nagel

Im Frühjahr 1721 kränkelte Johann von Künsberg. Es gab das Gerücht, Johann sei verstorben. Die Freude der lieben Verwandtschaft derer von Künsberg war groß – ein jeder hoffte nun auf den Besitz von Schloss Nagel und weitere Güter. Der Bruder von Johann, Wolf Ernst von Künsberg und der Neffe Dietrich Siegesmund von Künsberg (Kommandant der Veste Rosenberg) schickten Soldaten nach Schloss Nagel aus. Dort lärmten sie vor dem Schloss, gaben ihrer Freude Ausdruck Wie überrascht waren sie als Johann aus dem Turmfenster sie als „Erbschleicher“ beschimpfte.

Leider war Johanns Gesundheit doch stark angegriffen. Im März 1721 verstarb der 60-jährige Johann Christoph von Künsberg.

Der anerkannte Sohn Philipp Heinrich von Künsberg hatte nun als Alleinerbe bis zu seinem Tode Prozesse zu führen. Als kurfürstlicher-sächsischer Hauptmann hatte er wohl auch die nötigen Gelder dazu. Schon 1718 baute er ein kleines Schloss zu Oberlangenstadt, welches aber 1805 abgerissen wurde. Philipp Heinrich von Künsberg hatte 1714 eine Generalstochter, die Gräfin Johann Amalie von Schulenberg geheiratet. Aus der Ehe gingen 8 Kinder hervor. Leider verstarben diese Kinder alle vor dem Tode der Eltern. Amalie von Künsberg verstarb 1736 und Philipp Heinrich von Künsberg im Alter von 47 Jahren 1743. Das Erbe von Philipp Heinrich von Künsberg, darunter das Schloss Nagel und Liegenschaften, ging somit 1743 an seinen Neffen Karl-Dietrich von Künsberg-Schernau. Im Jahre 1743 war dieser noch als Student in der Universität zu Bamberg eingeschrieben.

Die Linie Künsberg-Schernau war im Gegensatz zu der Linie Künsberg-Ober-langenstadt-Nagel im Jahre 1720 wieder zum Katholizismus übergetreten. Ein „profitables“ Amt im Dienste für die Fürstbischöfe zu Bamberg konnte so angestrebt werden. Im fränkischen Adel fand die Erkenntnis Raum, dass für ihre Söhne eine höhere Schulbildung von Nutzen sei. So besuchte Karl-Dietrich von Künsberg die Lateinschule in Mainz und die Universität in Leiden.

Bild: Carl-Dietrich von Künsberg als Student

Im Schloss Nagel wurde der Erbe festlich 1772 empfangen. Anlässe zur Freude gab es genug, standen doch erstens neben den Speisen auch 25 Eimer Bier für die Nägler zur Verfügung und der Erbe wohnte vor Ort im Alten Schlösschen zu Oberlangenstadt .

 Karl-Dietrich von Künsberg schloss seine Studien 1744 ab. Während seiner Studienzeit war er auf den Bällen und Festen in Bamberg ein gern gesehener Gast und pflegte die Kontakte. Seit seiner Schulzeit (Lateinschule) in Mainz bestand eine Verbindung zum dortigen Fürstbischof zu Mainz. In dessen Dienste trat er und wurde 1745 dort Kurmainzer Truchseß.

1746 zog es ihn zurück nach Franken. Im Fürstbistum Bamberg fand er eine Anstellung als Kämmerer und Hofrat.

1748 erfolgte die Ernennung zum Oberamtmann in Rothenkirchen und von 1759 bis 1772 zum Oberamtmann zu Burgkunstadt, Weismain. Am Bamberger Hofe führte er gleichzeitig das Amt eines Hofmarschalls aus, diente dem Fürstenbischof als Berater.

 In Weismain bezog Karl-Dietrich von Künsberg seine Wohnung. Von Weismain aus konnte er sich gut um seine Besitzungen kümmern.

Unter seinen Anweisungen entstand in der Zeit von 1759 bis 1772 der Schlossgarten in Oberlangenstadt. Der Park wurde im französischen Stil angelegt. Für die Bepflanzungen wurden aus dem Schlosspark vom Seehof Stauden geholt, aus Holland bezog man Tulpenzwiebeln.

In Schloss Nagel wandelte Karl-Dietrich als guter Katholik die Schlosskirche von einer protestantischen Kirch in eine katholische Kirche um. Der evangelische Geistliche wurde entlassen, Franziskaner aus Kronach übernahmen den Gottesdienst. Notwendige Festgewänder etc. wurden von der Familie von Künsberg gestiftet. Als Hofmarschall hatte Karl-Dietrich von Künsberg großen Einfluss auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung im Bistum Bamberg und darüber hinaus.

Bild: Carl-Dietrich von Künsberg als Hofmarschall

In der Zeit von 1743 bis 1749 erfolgte der Bau einer überregionalen Fernstraße von Nürnberg bis Leipzig über Kronach, Nordhalben

Die oberste Bauleitung auf dem Gebiet des Bamberger Fürstbistums lag als Hofmarschall bei Karl-Dietrich.

Die Streckenführung leitete er bevorzugt durch seine eigenen Grundstücke (neue Brücke über die Rodach in Oberlangenstadt -1789 vergrößert – etc.). Die Konflikte und Streitigkeiten darüber mit der Familie von Redwitz nahm er in Kauf.

Für seine Verdienste zeichnete ihn der Fürstbischof 1761 mit dem Großkreuz des St. Michaelorden aus und ernannte ihn zum Oberstallmeister.

1773 verstarb im Alter von 53 Jahren Karl-Dietrich von Künsberg im Alten Schloss zu Oberlangenstadt.

Das Erbe trat sein Sohn Philipp Anton Marie von Künsberg (geb. 08.03.1747) an. Philipp Anton Marie war ein Kind der Aufklärung.

Als Student bereiste er von 1764 bis 1766 gemeinsam mit seinem Erzieher, mit seinem Freund Europa. Seine Reisen führten ihn durch die Schweiz, durch Italien, Frankreich und sogar nach England (London).

Bild: Philipp-Anton Marie von Künsberg als Oberstallmeister

Sein Studium absolvierte er in Straßburg (Juristerei). Auch er trat in die Dienste des Fürstbistums und wurde 1770 Oberamtmann zu Zeil am Main und 1772 Oberamtmann zu Lichtenfels. Die Verwaltung seines Besitzes, seines Erbes in Oberlangenstadt/Nagel übernahm der Amtsverweser Katzenberger. Für Oberlangenstadt/Nagel erlässt er 1773 für seine Untertanen eine neue Gemeinde-ordnung. 1789 erfolgt ein Abriss und ein Neubau der Brücke über die Rodach.

1790 tritt Phillip Anton in Bamberg die Stelle eines Landrichters an.

1791 werden die Künsbergischen Lehen (zuvor Marktgräfliche Lehen – Bayreuth/ Kurfürstliche Lehen – Bamberg) in Königliche-Preußische Lehen umgewandelt.

1798 huldigen die fränkischen Adligen dem Preußischen König in Anwesenheit des Ministers von Hartenberg.

Im Mai 1794 hat Philipp Anton von Künsberg im Alter von 47 Jahren geheiratet. Die Auserwählte ist die 29 jährige Luise von Wambold. Zusammen mit den zwei Töchtern lebt die Familie in Bamberg. Philipp Anton von Künsberg dient dem Fürstbischof als Oberstallmeister.

Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen nach der Französischen Revolution betreffen auch das Fürstbistum Bamberg. 1801 geht das Fürstentum Bamberg auf Anweisung von Napoleon an den Kurfürsten Maximilian von Bayern.

Philipp Anton von Künsberg ist nun bis zu seiner Pensionierung 1806 im „bayrischen“ Staatsdienst.

1805 ist das Alte Schlösschen zu Oberlangenstadt baufällig. Philipp Anton von Künsberg lässt es abreißen. Ebenso erfolgt ein Abriss der alten Zugbrücke über den Schlossgraben am Schloss Nagel. Der im französischen Stil angelegte Schlosspark in Oberlangenstadt wird in eine englische Anlage umgewandelt.

1807 verstirbt Philipp Anton von Künsberg im Alter von 59 Jahren. Das Erbe tritt bis zur Volljährigkeit von Karl Joseph Georg von Künsberg im Alter von 25 Jahren, Philipps Ehefrau an. Die Kinder aus der Ehe leben bei der Witwe von Redwitz , der späteren Oberhofmeisterin beim späteren König Ludwig I. Diese Beziehung erwies sich in den späteren Jahren als ein großer Vorteil.

Karl Joseph Georg von Künsberg wurde am 21.Februar 1799 geboren. Über ihn liegen auf Grund seiner eigenen Berichte, auf Grund seiner späteren Position als Berater, als Regierungspräsident der Oberpfalz, als Ehrenbürger von Regensburg viele Quellen vor.

Für den achtjährigen Erben verwaltet im Auftrag der Mutter der Gutsbeamter Schraud die Besitztümer in Oberlangenstadt/Nagel.

Im Alter von 9 Jahren wird Karl Josef Georg von Künsberg von seiner Mutter zuerst 1808 auf das Kadettenkorps (Mittelschule)nach München und später 1813 auf das Königliche Realinstitut (Gymnasium) nach Nürnberg geschickt.

Ab Oktober 1816 studiert er sowohl in der Universität zu Erlangen als auch ab April 1817 in Würzburg. In Erlangen missfiel ihm das (wüste) Verhalten der Burschenschaften.

Karl Josef Georg von Künsberg war mit Adolf von Gutenberg (Kulmbach) befreundet. Wie sein Vater ging auch er auf Reisen durch Europa. Er unternahm eine Fußreise durch Sachsen(1818),bereiste die Schweiz und Oberitalien (1819).

Im Februar 1820 wird Karl Josef Georg von Künsberg mit 21 Jahren nach neuem Recht volljährig und tritt sein Erbe an.

Im selben Jahr legt er sein Hauptexamen als Kammeralist ab und tritt seine Lehrzeit in der Kanzlei auf Schloss Banz an.

Der Besitz in Oberlangenstadt/Nagel steht unter der Leitung von Förster Beez und Amtsdiener Schwab.

1822 zeigt sich Schloss Nagel erhebliche Schäden und beginnt stark zu verfallen. Karl Josef Georg von Künsberg beauftragt den Bau einer inneren Stiege und lässt das Archiv in das untere Gewölbe verlegen. Nach dem Niederreißen der Zugbrücke 1805, dem Abriss

des Außenturmes beginnt sich die heutige äußere Gestalt von Schloss Nagel abzuzeichnen.

1823 legt Karl Josef Georg von Künsberg seine Prüfungen in der Rechtwissenschaft erfolgreich ab.

1824 ist sein Dienstantritt als Kanzleiassistent bei der Königlichen Regierung des Obermain Kreises in Bayreuth.

1826 besteht er erfolgreich das Große Staatsexamen für den höheren Dienst.

Die Verwaltung der Güter in Oberlangenstadt übernimmt im Jahr 1826 Jahr Josef Weißmüller.

Karl Josef Georg von Künsberg steht dem bayrischen Königshaus loyal gegenüber [Unruhen 1830].

König Ludwig I kennt Karl Josef Georg von Künsberg schon seit seiner Studentenzeit in Würzburg. Dort nahmen sie gemeinsam an Bällen teil. Die Ziehmutter von Karl Josef Georg, Frau von Redwitz, diente am königlichen Hofe als Hofmarschallin und hat sicherlich ihren Einfluss geltend gemacht. Sogar nach dem erzwungenen Rücktritt [1848] von König Ludwig I besuchte Karl Josef Georg von Künsberg den Ex-König in den bayrischen Alpen.

Er wird 1826 zum Landrichter in Brückenau ernannt. Verbunden mit dieser Ernennung ist das Amt des Kurdirektors von Bad Brückenau. So ist Karl Josef Georg nicht nur für die Sicherheit des Königshauses, sondern auch für die Ausgestaltung während der Kuraufenthalte des Könighauses zuständig.

An den königlichen Landpartien, an den Kutschfahrten ist er persönlich beteiligt. Auch in den späteren Jahren pflegt Karl Josef Georg von Künsberg einen engen Kontakt sowohl zum König Ludwig I als auch zum König Ludwig II.

Juli 1833 heiratet Karl Josef Georg von Künsberg Theresia von Kunibert zu Aschaffenburg.

Bild: Karl Josef von Künsberg; Theresia von Künsberg

In Bad Kissingen legt er 1834 den Grundstein für einen Kursaal.

In Oberlangenstadt/Nagel übernimmt 1834 ein Amtmann Höpfel aus Schmölz die Verwaltung der Güter.

Im Dezember 1837 wird Karl Josef Georg von Künsberg als Regierungsrat nach Regensburg versetzt. Er ist damit königlicher Stadtpolizeikommissar, zuständig für den Straßenbau, die Arbeitshäuser, die Sicherheit und die Überwachung der Theater.

1838 erfolgt die Versetzung nach Bayreuth. Hier hat er die Zuständigkeit für das Gewerbewesen, für den Straßenbau, für den Neubau Ludwig-Donau-Kanal, für die Errichtung von Eisenbahnlinien durch Oberfranken, für die Industrie und Landwirtschaft..

Im Frühjahr 1841 finden im Schlosspark zu Oberlangenstadt die Uferbauten ihren Abschluss. Das Schlösschen in Oberlangenstadt wird restauriert.

1835 bis 1839 erwirbt Karl Josef Georg von Künsberg am Schlosspark für einen zukünftigen Schlossneubau weitere Grundstücke zur Abrundung des Geländes

1842 heiratet der Kronprinz Maximilian von Bayern die Tochter des Prinzen Wilhelm von Preußen. An der (überraschenden) Ausgestaltung der feierlichen Begrüßung des Brautpaares und den folgenden Feiern in Bayreuth war Karl Josef Georg von Künsberg als Verantwortlicher wesentlich am großen Erfolg beteiligt.

Bild: 1841 wird den Eheleuten ein männlicher Erbe geboren.
Ottokar August von Künsberg

1842 heiratet der Kronprinz Maximilian von Bayern die Tochter des Prinzen Wilhelm von Preußen. An der (überraschenden) Ausgestaltung der feierlichen Begrüßung des Brautpaares und den folgenden Feiern in Bayreuth war Karl Josef Georg von Künsberg als Verantwortlicher wesentlich am großen Erfolg beteiligt..

Karl Josef Georg von Künsberg beschäftigt sich sehr intensiv mit der Familiengeschichte seines Geschlechtes derer von Künsberg. Er erwirbt 1844 mehrere Familienbilder aus der Kirche von Schnabelwaid und der Kirche von Emtmannsberg. Vom Maler Lorenz Kaim aus Kronach lässt er die Bilder restaurieren und weitere 80 Skizzen seiner Vorfahren anfertigen.

Die Neubaupläne eines Schlosses in Oberlangenstadt scheinen sich zu konkretisieren. Die Überlegungen in Unterlangenstadt sich anzusiedeln (Ehemaliger Besitz / Schloss derer von Redwitz) werden verworfen. Später (1853) kann er bei seinen historischen Studien auf den Historischen Verein von Oberfranken zurückgreifen. Dieser lässt eine Publikation „Er-forschung der urkundlichen Geschichte derer von Künsberg“ durch den Gymnasial-professor Dr. Holle zu Bayreuth drucken.

Von 1841 bis 1847 wird oberhalb des Schlosses Nagel ein neues Ökonomiegebäude (Gutshof) errichtet. Das nötige Steinmaterial kommt aus dem neueröffneten Nagler Steinbruch.

Bild: Gutshof in Nagel

1847 wird Karl Josef Georg von Künsberg zum Regierungspräsidenten in Landshut ernannt. Bedingt durch den Rücktritt von König Ludwig I im März 1848, den damit veränderten politischen Machtverhältnissen im Königreich Bayern ergeben sich nun wesentliche Änderungen.

Mit der Abdankung des Königs sind im Lande heftige Unruhen verbunden. Die Bevölkerung fordert Freiheiten und weitere politische Rechte ein. Es kommt zu Aufständen auch in Oberfranken. Schlösser werden erstürmt (von Redwitz) und verwüstet. Zur Niederschlagung ordnet die Regierung Truppen ab. In Oberlangenstadt (Altes Schloss) und in Schloss Nagel (25 Soldaten) erfolgen Einquartierungen.

Die Folgen sind Reformen, die dem Adel nicht immer gefielen. 1848 erfolgt per Dekret die Auflösung der gutsherrlichen Gerichtsbarkeit, der Polizeigerichtsbarkeit über Jagden.

Die finanziellen Einbußen betrafen Karl Josef Georg von Künsberg geringer. Die Erlöse aus seinen Gütern dienten ihm nur als Nebeneinkommen, bezog er doch wesentliche Einkünfte als Staatsdiener. Durch das Erbe der Weingüter zu Östrich am Rhein im selben Jahr 1848 vermehrte sich sogar sein Besitz (Tod der Schwiegermutter).

Januar 1849 erfolgte die Ernennung zum Regierungspräsidenten der Oberpfalz (Regens-burg). Hier wirkte Karl Josef Georg von Künsberg mehrere Jahre sehr erfolgreich.

Er wurde nicht nur Ehrenbürger Stadt Regensburg ( Nov.1856), sondern erhielt mehrere Auszeichnungen für sein positives Wirken (z.B. 1851 das Ritterkreuz).

1856 wird das Schloss Nagel im Hinblick auf einen Schlossneubau zum Witwensitz bestimmt.

Verbunden damit ist die Anlage eines Feuerweihers im Ortsteil Nagel zur Bekämpfung von Feuerbrünsten, zur Wiesenbewässerung und zur Fischhaltung.

1857 bis 1858 erfolgt dann die endgültige bauliche Veränderung von Schloss Nagel. Baufällige Teile werden niedergelegt, die Schlossgräben zugeschüttet.

Neben den Baumaßnahmen im Inneren (russische Kamine) wird eine neue Parkanlage im englischen Stil angelegt.

Bild: Himmelbett Schloss Nagel 1855

Als Ergänzung führte ab 1859 ein Waldweg von Schloss Nagel nach Unterlangenstadt vorbei an einem Felsen mit der Inschrift „Cornelie“ (Cornelie von Vetterlein – Schönheitsgalerie).

Der schon genannte Maler Lorenz Kaim aus Kronach hielt nach Abschluss aller Arbeiten das restaurierte Schloss Nagel mit neugestalteter Parkanlage im Bilde fest.

Bild: Schloss Nagel mit Theresienbrunnen, den tausendjährigen Eichen – Lorenz Kaim 1858

Die Planungen für das Neue Schloss in Oberlangenstadt schritten nach Abschluss der Baumaßnahmen in Nagel zügig voran. 1860 stand das Baumaterial für das neue Schloss bereit. 1861 erfolgte die Verlegung des Mühlbaches.

Nützlich erwies sich für Oberfranken, die Wirtschaft ,die Bevölkerung, aber auch für die zukünftigen Schlossbewohner in Oberlangenstadt, der Baubeginn der Eisenbahnstrecke 1860 von Hochstadt nach Kronach, nach Gundelsdorf mit einem Haltepunkt, einer Bahnhofstation Nagel.

Im März 1861 ergriff Karl Josef Georg von Künsberg eine Magenerkrankung. Diese führte neben einer gesundheitlichen Schwäche im Januar 1862 in Bamberg zu seinem Tode. Nach der Auflösung der Familiengrabstätte in Bamberg wurden seine Gebeine auf dem Familienfriedhof im Park von Schloss Nagel überführt.

Erbe der Besitzungen in Oberlangenstadt/Nagel/Östrich etc. wird der Sohn Ottokar August von Künsberg.

Ottokar August von Künsberg, 1841 geboren, übernimmt als junger Mann eine schwere Aufgabe (bei einem solchen berühmten Vater).

Nach dem Besuch der Lateinschule im Jahre (Beginn 1850) strebt er eine militärische Laufbahn an. 1861 wird er zum Junker, später zum Leutnant ernannt. Er strebt keine Verwaltungslaufbahn im Staatsdienst an, will dem bayrischen König als Soldat dienen.

1863 heiratet Ottokar August von Künsberg im Alter von 22 Jahren. Seine Ehefrau aus Wernstein ist sehr begütert. So kann der Schlossbau in Oberlangenstadt beginnen. 1864 ist der Neubau vollendet und man feiert Richtfest. Das Neue Schloss ist im englisch-gotischen Stil nach Plänen von Prof. Volz gebaut worden.

Ottokar August von Künsberg legt seine Gelder in Beteiligungen (Bleibergwerk in Kronach) und in umfangreiche Ländereien in Galizien (Österreich/Ungarn – südl. Teil von Polen) an.

In Galizien lebte er die überwiegende Zeit, ging seinen Leidenschaften (Jagd) nach. Gerne war er als galanter Kavalier in Wien gesehen.

Im Alter von 49 Jahren verstarb er im Mai 1890.

Ottokar August von Künsberg hatte zwei Söhne. Karl August von Künsberg, geboren in Bamberg 1864 und Max von Künsberg , geboren 1866 in Bamberg.

Karl August von Künsberg war der Alleinerbe und zahlte seinen Bruder Max von Künsberg aus.

Max von Künsberg studierte das Brauwesen in Weihenstephan mit Abschluss Dr. phil. 1899 wanderte er in die USA und 1901 nach Kuba aus. Auf Kuba arbeite Max von Künsberg wie in den USA als Braumeister. In den USA heiratete er in II. Ehe Elisabeth Steeger aus Rottenburg.

Seine erste Ehefrau war nicht zur Auswanderung bereit und mit ihren zwei Kindern (Junge/Mädchen) in Deutschland verblieben.

Seine Tochter aus 2. Ehe, Miltred von Künsberg, später verheiratete Sarre, kehrte nach der kubanischen Revolution und Enteignung nach Deutschland mit ihrer Tochter Annie Sarre zurück. Auf Kuba erwarb sich Miltred Sarre große Verdienste als Lehrerin.

Die Mutter Miltred Sarre fand nach ihrem Tode am 2. März 1984 auf dem Familienfriedhof in Schloss Nagel ihre letzte Ruhe.

Bild: Max und Elisabeth von Künsberg

Karl August von Künsberg war ein begeisterter Motorsportler und beeindruckte die Bevölkerung mit seinen jeweiligen Motorfahrzeugen. Die Verwaltung seiner Besitztümer oblag den jeweiligen Verwaltern, der Forst dem Oberförster Lind. Das Schloss Nagel wurde nun zum Jagdschloss Nagel und diente bis 1937 als Sitz der Forstverwaltung.

Nach Ende des I. Weltkrieges gingen die umfangreichen österreichischen Besitzungen in Galizien 1918 verloren.

Karl August von Künsberg starb im Dezember 1923. Aus seiner Ehe gingen zwei Söhne hervor.1889 wurde als Erbe Max von Künsberg und 1901 Kurt von Künsberg in Östrich/Rheingau geboren.

Kurt von Künsberg war beruflich als Kaufmann tätig. Er fiel im II. Weltkrieg und hinterließ zwei Söhne.

Maximilian Imilia Josef von Künsberg erhielt seine schulische Ausbildung auf dem Julianeum in Würzburg. Später studierte er in Leipzig.

Bild: Maximilian von Künsberg 1923 nach einem Gemälde von Dr. Franzen aus Kronach

Unter Maximilian von Künsberg wurden die Weingüter in Östrich, das Gut in Unter-langenstadt (ehemals Besitz derer von Redwitz) verkauft (Weltwirtschaftskrise etc.). Verwalter der Güter in Oberlangenstadt/Nagel etc. wird Verwalter Rupp.

Aus der Ehe mit Elsa Gustava Caroline Doris Prosche gehen zwei Kinder hervor. Im August 1922 wird in Stralsund Edelgard von Künsberg und im März 1925 Manfred von Künsberg geboren.

Seit 1937 lebte Maximilian und Elsa von Künsberg gemeinsam mit den Kindern auf Schloss Nagel.

Das Schloss in Oberlangenstadt diente während des Krieges der Kriegswirtschaft.

Schloss Nagel wurde nach dem II. Weltkriege im Rahmen der Wohnungsbewirtschaftung von vielen Flüchtlingen bewohnt. Zeitweilig lebten 4 Familien gleichzeitig in einem Raum.

Für Elsa von Künsberg und Edelgard von Künsberg bedeutete dies eine erhebliche tägliche Einschränkung

Nach dem Tode von Max von Künsberg 1946 und dem Tode von Elsa von Künsberg (1968) erfolgte eine Besitzaufteilung.

Manfred von Künsberg übernahm Schloss Oberlangenstadt und den wesentlichen Teil der Liegenschaften. Edelgard von Künsberg erhielt Schloss Nagel einschließlich des Umfeldes.

Bild: Manfred von Künsberg als Falkner

Nach ihrer Eheschließung mit Günter Langkau und dessen Pensionierung als Oberst-leutnant kehrte Edelgard Langkau, geb. von Künsberg 1971 aus Köln nach Schloss Nagel zurück. Unter der Leitung von Günter Langkau erfolgten erste Sanierungsarbeiten am Jagdschloss. Neben der Erneuerung der Mansardendächer, der Fassadenerneuerung, der Fenstersanierung wurde die Parkanlage gestaltet.

Bild: Günter Lankau in Nagel – Mai 1980

Nach dem Tode von Günter Langkau (Mai 1985) wurde der Besitz von Schloss Nagel von Edelgard Langkau (verstorben April 2008) auf ihre Tochter Cornelie Vormbrock, geb. von Künsberg übertragen.

Bild: September 2007: Edelgard Langkau und Bürgermeister Herbert Schneider

Cornelie Vormbrock und ihr Gatte Rainer Vormbrock erhalten und pflegen seit dem das Jagdschloss. Seit 1985 erfolgte nach und nach die Sanierung der Schieferdächer, die Fassadenerneuerung am Hauptgebäudes, im Inneren die Elektrosanierung, der Einbau von Zentralheizungen und Bädern.

Die früher genutzten landwirtschaftlichen Angebäude wurden mit Biberschwänzen neu eingedeckt. Durch den Bau einer großen Remise in der hinteren Parkanlage ergeben sich für die Zukunft weitere Nutzungsmöglichkeiten.

Großen Anteil an der oft prämierten Gartenanlage hat Erich Zipfel, der mit in der Familie Langkau/Vormbrock auf Schloss Nagel lebt. Als langjähriger, ehemaliger Gärtner gestaltete er den Schloss Park neu im englischen Stil, ist bis heute für die Aufzucht von Pflanzen, für die Blumenrabatte, für die Obst- und Streuwiesen, für die Fischaufzucht und die Pflege der Anlage als guter Geist verantwortlich.

Bild: Winteransicht Schloss Nagel, Januar 2006 mit neuem Fassadenanstrich

Bild: Gefängniseingang, heute Archiv Fensternische – Treppenhaus